Alle sind Licht 

Material / Technik:
Mixed Media Skulptur aus Altpapier (Pulp), Leim, Acrylfarben, Styropor, Tischtennisbällen, alten CDs, Glas- und Kunststofffragmenten, Hut-Element, integrierter LED-Lichterkette.

Arbeitsweise:
Handgeformt, geschichtet, geklebt, bemalt und assemblageartig aufgebaut.

Das Kunstwerk misst 48 cm in der Höhe (vom Standfuß bis zur obersten Kugel), 30 cm in der Breite (von rechts nach links entlang der Kugelauflage) sowie 18 cm in der Tiefe. Das Gesamtgewicht beträgt 1,311 Kilogramm (1,3 kg).

Arbeitszeit:
ca. drei Wochen (intuitiver, prozessbasierter Entstehungsprozess).

Dieses Werk zeigt einen menschlichen Kopf als leuchtende Mixed-Media-Skulptur aus recycelten Materialien, transparenten Bruchstücken und integrierten Lichtquellen. Die Form ist bewusst roh und unperfekt gehalten, die Oberfläche wirkt geflickt, geschichtet und verletzlich. Der Kopf trägt eine Krone aus farbigen Kugeln sowie ein Feld aus leuchtenden Elementen im Sockel, die das Objekt von innen heraus erhellen. Die Augen sind transparent, der Mund dunkel und reduziert, die Gesichtszüge stilisiert und fragmentarisch. Das Zusammenspiel aus fragiler Materialität und intensiver Farbigkeit erzeugt einen Kontrast zwischen Zerbrechlichkeit und Präsenz. Das Werk thematisiert den menschlichen Körper als Träger von Erfahrung, Erinnerung und innerem Zustand und übersetzt emotionale, biografische und gesellschaftliche Prozesse in eine visuelle, körperliche Form. Die Lichtquellen fungieren nicht nur als ästhetisches Element, sondern als integraler Bestandteil der Skulptur und verleihen ihr eine symbolische Dimension zwischen Sichtbarkeit, Verletzlichkeit und innerem Weiterleuchten.

Dieses Bild zeigt eine inszenierte Spiegelkomposition zwischen äußerer Realität und innerem Zustand. Eine reale Person blickt in einen Spiegel, in dem ihr eigenes Abbild als leuchtendes Lichtwesen erscheint. Der Spiegel wird zu einem Zwischenraum, in dem sich nicht nur Selbstwahrnehmung, sondern auch Hoffnung und Verletzlichkeit verdichten. Während die reale Figur im Halbdunkel steht, von Rauch, Schatten und einer schwer wirkenden Atmosphäre umgeben, erstrahlt das Spiegelbild aus farbigen Lichtquellen und transparenten Formen. Dieser Kontrast verweist auf die Spannung zwischen dem, was Menschen nach außen tragen, und dem, was sie innerlich bewahren müssen, um nicht zu zerbrechen. In einer Welt, die von Krisen, Kriegen, Unsicherheit, sozialer Kälte und zunehmender Entfremdung geprägt ist, stellt das Werk die Frage, wie viel Dunkelheit ein Mensch ertragen kann, ohne sein inneres Leuchten zu verlieren. Das Bild versteht sich als visuelle Erinnerung daran, dass jedes Licht zählt – nicht im abstrakten Sinn, sondern ganz konkret: jedes Leben, jede Identität, jede Existenz. Das Spiegelbild zeigt kein idealisiertes Selbst, sondern eine Möglichkeit: die Vorstellung davon, dass Menschen trotz Erschöpfung, Angst und Überforderung nicht aufhören dürfen, sich selbst als Licht wahrzunehmen. Das Werk fordert dazu auf, Verantwortung nicht nur für das eigene Leuchten zu übernehmen, sondern auch für das der anderen – weil eine Welt, in der Lichter verlöschen, nicht dunkler wird, sondern ärmer.

Diese Bilder konzentrieren sich auf die leuchtenden und nicht leuchtenden Kugeln als zentrales Symbol des gesamten Werks. Auf den ersten Blick wirken sie ähnlich: rund, glatt, nebeneinanderliegend. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ihre Unterschiedlichkeit. Manche Kugeln leuchten von innen heraus, andere bleiben dunkel. Manche sind groß, andere klein. Manche klar und ruhig, andere durchzogen von Einschlüssen, Glitzer, Brüchen oder Farbspuren. Genau darin liegt das Konzept. Die Kugeln stehen für Menschen. Nicht für Gleichheit im Sinne von Gleichförmigkeit, sondern für Gleichwertigkeit. Wir sind nicht gleich in unserer Geschichte, nicht gleich in unserer Kraft, nicht gleich in unserer Sichtbarkeit oder in dem Maß, in dem wir gerade leuchten können. Manche Menschen strahlen, weil sie Halt, Sicherheit oder Unterstützung haben. Andere leuchten kaum oder gar nicht, nicht weil sie weniger wert sind, sondern weil ihnen gerade Licht fehlt. Trotz all dieser Unterschiede verbindet sie eine gemeinsame Form: Sie sind alle Kugeln. Sie sind alle rund. Sie existieren nebeneinander, berühren sich, tragen sich gegenseitig, liegen im selben Raum. Das Werk widerspricht damit der Vorstellung, dass Wert an Leistung, Stärke oder Strahlkraft gebunden ist. Eine Kugel verliert ihren Wert nicht, nur weil sie nicht leuchtet. Sie bleibt vollständig, präsent und gleich bedeutend. In einer Welt, die Menschen zunehmend nach Funktion, Sichtbarkeit und Anpassung bewertet, erinnern diese Kugeln daran, dass Vielfalt kein Widerspruch zur Zusammengehörigkeit ist. Unterschiedliche Farben, Größen und Zustände sind kein Zeichen von Trennung, sondern Ausdruck einer gemeinsamen Menschlichkeit. Das Licht wird hier nicht als Maßstab verstanden, sondern als Zustand. Und Zustände können sich verändern. Das Werk lädt dazu ein, nicht nur die leuchtenden Kugeln wahrzunehmen, sondern auch jene, die still sind – und zu erkennen, dass sie denselben Raum, denselben Wert und dieselbe Würde teilen.

Die Augen, die als Ohrringe am Kopf hängen, stehen für einen Blick, der größer ist als der des einzelnen Menschen. Sie symbolisieren ein Beobachtetwerden, das nicht kontrollierend oder bewertend ist, sondern still, umfassend und übergeordnet. Diese Augen gehören keinem konkreten Wesen an. Sie stehen für ein größeres Ganzes – für ein Universum, für eine kollektive Wahrnehmung, für etwas, das alles sieht, ohne einzugreifen. Sie blicken auf die Kugeln, auf die leuchtenden und die dunklen, auf all die unterschiedlichen Zustände von Sein, und tragen dabei eine stille Traurigkeit in sich. Nicht, weil sie urteilen, sondern weil sie sehen, wie viele Lichter schwächer werden oder verlöschen, ohne dass es aufgehalten werden kann. Die Augen hängen nicht frontal im Gesicht, sondern seitlich, als Schmuck, als beiläufige Begleiter. Sie greifen nicht ein, sie schreien nicht, sie verändern nichts. Sie sind da und sehen. Genau darin liegt ihre Bedeutung. Sie stehen für das Wissen darum, dass Leid, Erschöpfung und Würdeverlust gesehen werden – und dennoch oft ohne Konsequenz bleiben. Das Universum schaut zu, die Welt schaut zu, Systeme schauen zu. Und doch bleibt vieles unverändert. Die Augen als Ohrringe machen dieses Spannungsfeld sichtbar: gesehen zu werden, ohne geschützt zu sein. Wahrgenommen zu werden, ohne gerettet zu werden. Gleichzeitig tragen sie auch eine andere Ebene in sich. Sie erinnern daran, dass nichts unsichtbar ist. Dass jedes Licht, das schwächer wird, bemerkt wird – selbst wenn es niemand aufhält. Die Augen sind damit Mahnung und Trost zugleich. Sie sagen nicht, dass alles gut wird. Sie sagen, dass nichts verloren geht, ohne gesehen worden zu sein.