Die Prothese der Würde
Diese Skulptur ist ein körperliches Zeugnis von Verletzung und Überleben.
Eine Hand erhebt sich, in ihr ein Auge in meiner eigenen Augenfarbe – mein Blick, der bleibt, auch wenn ich nicht gesehen werde. Sieben türkisfarbene Smileys aus Epoxidharz markieren den Körper wie aufgesetzte Masken von Funktionieren und Normalität. Unter ihnen liegt meine reale Narbe, ebenfalls in Form einer Sieben – die Wahrheit unter der Oberfläche.
Die Zahl Sieben steht hier für Ganzheit, Schwelle und Überlebenszyklus.
Die Smileys glänzen wie Heilung, sind aber aus Kunstharz versiegelt – so wie Würde oft nur noch künstlich erhalten wird, wenn sie verletzt wurde.
Die sieben Smileys
Diese sieben Smileys sind keine Zeichen von Freude.
Sie sind konservierte Überlebensmimik – gegossen in Epoxidharz, versiegelt gegen den Zerfall, aber auch gegen das Fühlen. Sie stehen für die Rollen, die man tragen muss, um in einer Welt zu funktionieren, die echte Verletzlichkeit nicht aushält.
Ihre türkisfarbene Transparenz erinnert an Wasser, Heilung und emotionale Offenheit – und gleichzeitig daran, wie leicht man hindurchsieht, ohne wirklich zu sehen. Jeder Smiley markiert einen Abschnitt eines Überlebensweges. Zusammen bilden sie eine künstliche Wirbelsäule aus Zustimmung, Anpassung und Durchhalten.
Sie sind das Lächeln über dem Schmerz.
Die Oberfläche über der Narbe.
Die Narbe
Diese Narbe ist kein Symbol.
Sie ist ein Dokument. Sie zeigt den Ort, an dem mein Körper etwas überlebt hat, das nicht vorgesehen war. Sie ist die Spur eines Moments, in dem mein Inneres und die Welt nicht mehr miteinander im Einklang waren. Ihre Form – eine Sieben – ist kein ästhetischer Zufall. Sie ist eine Schwelle: zwischen davor und danach, zwischen dem, was zerstört wurde, und dem, was trotzdem geblieben ist.
Während die sieben Smileys im Werk künstliche Marker des Funktionierens sind, ist diese Narbe die ungeschönte Wahrheit darunter. Sie lässt sich nicht weglächeln, nicht polieren, nicht versiegeln. Sie ist das, was bleibt, wenn alle Masken fallen. Diese Narbe trägt keine Botschaft.
Sie ist die Botschaft.
Das Auge
Das Auge in der Hand ist kein dekoratives Motiv.
Es ist mein Blick, der nicht abgegeben wurde.
Wenn Menschen nicht gesehen werden, verlieren sie nicht ihre Existenz – sie verlieren ihre Spiegelung. Dieses Auge trägt meine eigene Augenfarbe, weil es kein fremder, wertender Blick ist. Es ist mein Sehen. Mein Bewusstsein. Meine Wirklichkeit.
Die Hand ist das Werkzeug der Welt: Sie arbeitet, bittet, schützt, kämpft. In ihr ruht mein Auge – nicht um beobachtet zu werden, sondern um selbst zu beobachten. Es sagt: Ich lasse mir meine Wahrnehmung nicht nehmen, auch wenn mir meine Würde abgesprochen wurde.
Dieses Auge sieht dort, wo sonst Ohnmacht wäre.
Es ist der Blick, der bleibt, wenn alles andere versucht, ihn auszulöschen.